Die Mehrwertsteuersenkung kann Auswirkungen auf Ihren Bauvertrag haben. Was Sie beachten müssen:

Am 01.07.2020 ist es soweit.  Die Mehrwertsteuer wird auf 16% gesenkt und das kann sich auch auf Ihren Bauvertrag aus­wir­ken. Deshalb erklä­ren wir Ihnen anhand von Beispielen, wann Sie sich über die Mehrwertsteuersenkung freuen dür­fen oder es kei­ner­lei Auswirkung auf Ihren Bauvertrag hat.

In Bauangelegenheiten ist immer der Zeitpunkt der Leistung wichtig:

Bei der Frage, wel­cher Mehrwertsteuersatz für die Zahlung der Abschlagsrechnungen gilt, ori­en­tiert sich dies in Bauangelegenheiten immer am Zeitpunkt der Leistung.

Beispiel:

Wenn Sie am 01.07.2020 ein Bauvertrag unter­schrei­ben, dann sind dort 16% Mehrwertsteuer enthalten. Wird die Leistung aber erst im März 2021 erbracht und die Mehrwertsteuer bis dahin wie­der auf 19% ange­ho­ben, so gilt der Zeitpunkt der Leistung am 01.03.2021.
Somit  müs­sen Sie, obwohl Sie im Juli 2020 16% Mehrwertsteuer ver­ein­bart haben dann 19% Mehrwertsteuer zah­len.

Wenn Sie bei­spiels­weise ein Haus für € 500.000 pla­nen, sind das immer­hin € 15.000, die Sie bei der Finanzierung im Juli 2020 bereits berück­sich­ti­gen müs­sen.

Achten Sie des­halb dringend dar­auf, dass es nicht auf den Zeitpunkt des Vertragsabschlusses oder den Zeitpunkt des Rechnungsdatums ankommt, son­dern ein­zig und allein auf den Zeitpunkt der Erbringung der Leistung, bezie­hungs­weise der Leistungsabnahme.

Wie sieht es bei Architektenleistungen aus?

Die Senkung der Mehrwersteuer gilt selbst­ver­ständ­lich auch für die Leistung eines Architekten.

Beispiel:

Wenn der Architekt bei einem Vertragsabschluss im Jahr am 01.07.2020 eine Planungsleistung inner­halb des Zeitraums Juli 2020 bis Oktober 2020 erbringt, so ist diese Leistung mit 16% zu ver­se­hen. Wenn der glei­che Architekt dann seine Bauüberwachungsleistung im März 2021 erbringt, so ist diese Leistung mit 19% zu ver­steu­ern.

So ergibt sich für pri­vate Bauherren eine Verminderung oder Nachzahlung des Zahlbetrages:

Kompliziert wird es, wenn eine Planungsleistung aus dem Jahr 2018 erst im Juli 2020 voll­endet wird und für diese Leistung bereits Abschlagszahlungen geleis­tet wur­den. Wenn dann am 3.7.2020 die Schlussrechnung erstellt wird, gilt für die erbrachte Leistung der Mehrwertsteuersatz von 16%:

In die­sem Fall werden nach­träg­lich auch die zuvor mit 19% per Abschlag abge­rech­ne­ten Leistungsanteile in der Schlussrechnung mit 16% ange­setzt. Insofern kommt es hier zu einer Verminderung des Zahlbetrages.

ACHTUNG:

Wenn diese Leistung jedoch bereits im Juni aus­ge­führt wurde und damit voll­stän­dig erbracht ist, und nur die Rechnungsstellung erst nach dem 01.07.2020 erfolgt, rich­tet sich der Mehrwertsteuersatz nach dem Zeitpunkt der Vollendung der erbrach­ten Leistung, d.h. zu die­sem Zeitpunkt wären 19% anzu­set­zen.

Im umge­kehr­ten Fall, wenn man also zwi­schen dem 01.07.2020 und 31.12.2020 eine Abschlagszahlung mit 16% Mehrwertsteuer ver­sieht und die Werkleistung im Frühjahr 2021 voll­endet ist, wird sich mit der Schlussrechnung und einem Schlussrechnungsbetrag von 19% eine Nachzahlung für den Bauherren erge­ben.

Sie haben einen Pauschalpreis vereinbart?

Diese Frage wird mir häu­fig gestellt. Zunächst ein­mal ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass ein Pauschalpreis nicht bedeu­tet, dass es damit egal ist, ob es sich um einen Brutto- oder Nettopauschalpreis han­delt. Sicher ist, dass, wenn man einen Pauschalpreis ohne Mehrwertsteuer aus­han­delt, hier­auf die ent­spre­chende Mehrwertsteuer anzu­set­zen ist, die zum aktu­el­len Stand her­an­zu­zie­hen ist. Bei einem Bruttobetrag dürfte dies nicht der Fall sein. Hierbei ist es egal, wie die Leistung zu ver­gü­ten ist. Es bleibt beim Bruttobetrag incl. MwSt.

So vermeiden Sie Probleme bei der Festsetzung des Pauschalpreises:

Um Probleme zu vermeiden, soll­ten Sie auf jeden Fall ver­trag­lich fest­schrei­ben las­sen, dass die gesetz­li­che Mehrwertsteuer anfällt. Es ergibt Sinn, den Mehrwertsteuerbetrag und die Mehrwertsteuer Regelung in Ihrem Bauvertrag durch den Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht und den Steuerberater prüfen zu las­sen.

Fazit:

Es kommt also auf den Einzelfall und Ihren Bauvertrag an. Und: Auf den Zeitpunkt der Leistungserbringung.

Sie sind sich unsi­cher, wel­che Regelung bei Ihrem Bauvertrag ange­wen­det werden muss? Dann nut­zen Sie die Möglichkeit der Online-Beratung durch die Verbraucherbaurechtsexpertin und Fachanwältin für Bau-und Architektenrecht Manuela Reibold-Rolinger. Von ihr erhal­ten Sie eine rechts­si­chere Auskunft. 

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